Liebe Leserin, lieber Leser,

hier erscheint nun der erste Artikel in der Kategorie: „Fahrrad & Pedelec“. Ich möchte gern meine bisherigen Erfahrungen mit Pedelecs und meine Einschätzung zu diesem Fortbewegungsmittel teilen.

Ein Pedelec (Pedal Electric Cycle) ist ein Elektrofahrrad, bei dem das manuelle Treten des Fahrers mit einem Elektroantrieb unterstützt wird. Ein anderer, oft verwendeter Begriff ist E-Bike.

Seit meiner Kindheit bin ich ein begeisterter Fahrradfahrer. Mein erstes Fahrrad habe ich von meinem Opa geschenkt bekommen, und mein erstes selbst bezahltes Rad habe ich unmittelbar nach meiner Konfirmation gekauft, zum Preis von etwa 3000 DM. Es war ein Mountainbike mit hochwertiger Ausstattung und einer zehnjährigen Garantie auf den Rahmen. Das Fahrrad hat lange gehalten (über zehn Jahre) und viel ausgehalten: Ich bin damit in meiner Lehrzeit jeweils zehn Kilometer hin und zurück zum Ausbildungsbetrieb gefahren, also 20 Kilometer am Tag. Jährlich machte das 10.000 bis 15.000 Kilometer.

Einen Autoführerschein habe ich nie gemacht, im Wesentlichen aus Umweltschutzgründen. Viele Jahre später stand mein Umzug von Berlin aufs Land, in den schönen Wartburgkreis an. Da es hier, wie in Thüringen üblich, sehr viele Berge bzw. Hügel gibt und das klassische Radfahren daher recht herausfordernd sein kann, habe ich mich entschieden, mir ein Pedelec anzuschaffen.

Das erste Exemplar habe ich in einem großen Versandhaus gekauft. Leider gab es damit auffallend viele Probleme, sodass ich es postwendend zurückgeschickt habe. Ich habe mich dann für ein Sesselbike (Scooterbike) von Giant, zum Preis von 2.500 Euro entschieden, das ich bei Steiner-Design im Internet gekauft habe.

So ein Sesselbike ist aufgrund der geraden Sitzposition total angenehm zu fahren, insbesondere auf längeren Touren. Leider gab es aber auch mit diesem Pedelec regelmäßig Probleme; anscheinend ist es heute üblich, mangelhafte Bauteile als hochwertig zu verkaufen und dafür teures Geld zu verlangen.

Ich habe diese Problematik dem Händler mitgeteilt, mit dem Hinweis, dass dieses Sesselbike mein einziges Fortbewegungsmittel ist und ich es auch für berufliche Zwecke benötige.

Die Antwort spricht für sich: „… angesichts Ihrer Befürchtungen, dass nun Ihre Existenz durch den Umgang mit Ihrem Bike bedroht ist, wie Sie uns mitteilten, würden wir Ihnen dringend raten, vom Thema Bike Abstand zu nehmen und in Zukunft auf andere Transportmittel auszuweichen.“

Nach gut zwei Jahren und ca. 4.500 gefahrenen Kilometern sind die Zahnräder des Sesselbikes vorne und hinten dermaßen verbraucht, dass ein normales Fahren nicht mehr möglich ist.

Deshalb habe ich mir nun ein zweites Pedelec von Prophete gekauft, zum Preis von etwa 1.000 Euro. Das alte werde ich reparieren und als Zweitrad weiternutzen. Bei dem Pedelec von Prophete ist ein deutlich schwächerer Akku verbaut, der sich allerdings auch deutlich schneller laden lässt als der des Sesselbikes.

Da ich hier auf dem Land viele Wald- und Feldwege fahre, die zum Teil in einem katastrophalen Zustand sind, ist ein Pedelec – Mountainbike prinzipiell die bessere Wahl für mich.

Mein jetziges Fazit zum Thema Pedelecs lautet: Sie sind eine großartige, sehr sinnvolle Erfindung. Bei regelmäßiger Nutzung ist der Verschleiß aber leider extrem hoch – und somit auch die Kosten. Auf ein Pedelec möchte ich jedoch nicht mehr verzichten!

Die Kaufberatung in Fachgeschäften und im Onlinehandel beschränkt sich meistens auf das Pedelec selbst, lässt jedoch das eventuell erforderliche Zubehör außer Acht. So sind zum Beispiel die meisten Pedelecs immer noch mit sehr einfachen Lampen ausgestattet.

Dieser Aspekt sollte bei der Kaufentscheidung auf jeden Fall Beachtung finden, denn aufgrund der höheren Geschwindigkeit gegenüber einem normalen Fahrrad verkürzt sich die Reaktionszeit beim Bremsen erheblich. Insbesondere dann, wenn man wie ich oft auf unbeleuchteten Wald- und Feldwegen fährt.

Bei einer meiner ersten Nachtfahrten mit meinem Sesselbike ist mir auf einem unbeleuchteten Weg ein Pärchen entgegengekommen. Obwohl das Bike eine Standardbeleuchtung hatte, habe ich die Leute erst viel zu spät gesehen und musste einen gefährlichen Schlenker machen.

Um die Beleuchtung zu verbessern, habe ich mir nachträglich eine nicht zugelassene, aber dafür extrem leistungsstarke (7.000 Lumen) Akku-LED-Lampe gekauft, die ich ausschließlich auf unbeleuchteten Wald- und Feldwegen als Zusatzbeleuchtung einsetze.

Aufgrund meiner jetzigen Erfahrung mit Pedelecs ergeben sich langfristig jedoch einige grundlegende Fragen:

  • Welche Hersteller bieten Pedelecs an, die wirklich hochwertige und vor allem haltbare Komponenten verwenden?
  • Welche grundlegenden Alternativen gibt es zu der Problematik mit den Akkus und deren doch relativ kurzen Lebensdauer? Alle zwei Jahre ein neuer Akku wird auf Dauer etwas teuer (ein neuer  Akku kostet zwischen 300 und 800 Euro).
  • Welche Möglichkeiten gibt es, um Pedelecs bei größeren Touren zwischendurch aufzuladen, ohne das eigene Ladegerät mitnehmen zu müssen? Es gibt mittlerweile verschiedene Pedelec-Tankstellen. Diese werden im Wesentlichen von Ladengeschäften und Gastronomiebetrieben angeboten. Da die Stecker der sehr unterschiedlichen Akku-Systeme oft inkompatibel sind, lässt sich allerdings nur ein kleiner Teil der marktüblichen Pedelecs an solchen E-Bike-Tankstellen aufladen.

Alternativen sind daher notwendig. Außerdem ist ein grundlegendes gesellschaftliches Umdenken zwingend erforderlich – zum Schutze der Natur und zur Verbesserung der eigenen Gesundheit!

Auch für den Transport von schweren Sachen stehen sogenannte Lasten-Pedelecs zur Verfügung. Damit sich diese auch in ländlichen Regionen langfristig durchsetzen, sind allerdings verbesserte Fahrradwege von Ort zu Ort erforderlich. Am besten sollten sie durch die Natur führen (statt entlang von stark befahrenen Kraftfahrstraßen). Diese Fahrradwege sollten außerdem weitgehend exklusiv für Fahrradfahrer zur Verfügung stehen, da Traktoren aus der Landwirtschaft und Arbeitsmaschinen aus der Forstwirtschaft diese Wege in kurzer Zeit unbefahrbar machen würden.

Mein abschließendes Fazit: Pedelecs sind die Zukunft! Aber es gibt noch viele unbeantwortete Fragen. Deshalb wird das Thema Pedelec zu einem Hauptthema des Öko-Journals. Schauen Sie also immer wieder mal vorbei; wir werden in regelmäßigen Abständen Einschätzungen und Tipps veröffentlichen.

Herzlichst

Ihr Martin Kraushaar

Pedelecs sind die Zukunft!
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